Jean-Marc Quarin bewertet 72 Weine aus der Region Libournais St. Emilion

Freitag, 20. April 2012 | 07:48 Uhr | JM.QUARIN | JM QUARIN - BORDEAUX WINE CRITIC
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FRANKREICH (Bordeaux) - Die lehmigen Kalkstein Untergründe des rechten Ufers im Bordeaux erhielten lange Zeit nicht die ihnen gebührende Beachtung und standen seit Jahrzehnten im Schatten der benachbarten Böden, die durch ihre Wärme generell eine frühere Reife der Trauben gewährleisten.

Auch wagte niemand bisher zuzugeben, dass ein Teil der Produktion, partiell rund um Castillon la Bataille - von den Negociants als "medizinische Weine" mit fehlendem Grün und natürlich reichem Alkohol deklariert - die schlanksten Weine aus dem Bordeaux sind. Auch auf den Etiketten dieser Weine aus dem AOC Bordeaux wurde dies bisher nicht vermerkt.

Getrieben vom Streben nach Qualität mancher Erzeuger im Bordeaux und um sich in der boomenden Weinwirtschaft von anderen abzugrenzen, erlaubten Ihnen warme Sommer und überhaupt günstige Bedingungen in den frühen 2000er Jahren eine Wiederbelebung des Terroirs. Weine der Rebsorte Merlot führen zwar immer noch das Feld an, aber Malbec und Cabernet Franc gewinnen kontinuierlich an Profil, so zeigt es auch der Jahrgang 2011. Malbec und Cabernet Franc litten in dieser „verrückten“ Vegetationsperiode weder am Wassermangel noch wurden deren Rebanlagen von Grauschimmel befallen.

Aus dem Jahrgang 2011 verkostete Jean-Marc Quarin diverse Weine aus den Zonen Côtes de Castillon, Premières Côtes de Blaye, Premières Côtes de Bordeaux, Sainte-Foy-Bordeaux, Côtes de Francs, Canon-Fronsac , Fronsac, Montagne-St-Emilion, Puisseguin-Saint-Emilion, Lussac Saint-Emilion. 72 Weine davon beschreibt er als „wunderschöne Schmuckstücke“ - alle stammen von noch relativ unbekannten Erzeugern. „Diese Weine waren für mich bei der Blindverkostung eine schöne und angenehme Überraschung...

Einen kleinen Auszug seiner Verkostungsnotizen hat Jean-Marc Quarin für unsere Leser bereit gestellt. Alle weiteren Notizen und umfangreichen Beschreibungen finden Sie auf seiner Webseite (siehe TIPP)

ALCEE Côtes de Castillon: 15,5 / 20 bzw. 87– 88 / 100

Alcee ist ein neues aufstrebendes Weingut, das kürzlich von Nicolas Thienpont gekauft wurde. Zwei Hektar Reben sind auf einem optimalen Kalkstein Plateau in Ertrag. Der wunderschön dunkel rote Wein ist Blend aus 95 Prozent Merlot und 5 Prozent Cabernet Franc. In der Nase zeigt er sich von Anfang an mit reifen cremigen Früchten extrem verführerisch. Am Gaumen macht er einen schmackhaften fülligen Eindruck während er den Gaumen höflich und fruchtig poliert. Dann folgt ein kraftvoller Abgang, begleitet mit einem Potpurri an Aromen. Hier haben wir es mit einem großartigen Terroir zu tun. Es ist eine erstaunliche Leistung für einen ersten Jahrgang, doch man muss auch wissen, dass die Trauben von diesem Wein von alten Reben stammen...

AMPELIA Côtes de Castillon: 13,75 / 20 bzw. 83 / 100

Großzügige Frucht in der Nase - weich und gehoben am Gaumen.

ARIA de Ch.La Rivière Fronsac: 15,25 - 15,5 / 20 bzw. 87 / 100

Brilliantes violettes Purpur im Glas. Dezente Nase. Schmelzig und cremig am Gaumen vermählen sich Früchte und fleischige Tannine. Etwas überextrahiert im Finish mit durchschnittlicher Länge im Abgang.

BARRABAQUE Prestige Canon-Fronsac: 15,5 / 20 bzw. 87 - 88 / 100

Eine Mischung zwischen Violett und Purpur im Glas. Frisch-fruchtig in der Nase. Seine Trauben stammen von einem guten Ertrag - einer der verlockendsten Weine aus dem Fronsac. Am Gaumen großzügig, fett und sehr schmackhaft. Dieser Wein ist makellos strukturiert – einfach ein sehr gut gemachter und schöner Wein. (jm.quarin)

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