Verniedlichte Panscherei - Ein Skandal, der keiner ist !

Donnerstag, 23. September 2010 | 08:22 Uhr | R.KNOLL | AFFÄREN
2010_09-wgsachsen
Bei der Sächsischen Winzergenossenschaft in Meißen kritisierte man den „Winzerschoppen“, weil er laut Rückenetikett „eine Vermählung von Weinen aus Ost und West“ ist. (Foto: Weinbauverband Sachsen e.V.)

DEUTSCHLAND (Radebeul) - BILD dir deine Meinung, verkündet das Blatt mit den vier großen Buchstaben in seiner Werbung. Wer freilich aus dieser Zeitung seine Meinung bezieht, liegt oft daneben. So auch die Leser, die mit der Schlagzeile konfrontiert wurden: „Beim teuren Sachsen-Wein wird gepanscht“. Diese Nachricht sei der Enthüllung eines „mutigen Elbtal-Winzers“ zu verdanken, berichtete Reporter Jürgen Helfricht.

Angekreidet wurde, dass das Weingut Matyas in Radebeul unter seinem Namen einen Wein aus der Pfalz verkauft hatte („die Plärre schmeckte komisch“, zitierte BILD den „mutigen Weinbauern“ namens Udo Kühn aus Radebeul, der diesen scheinbaren Skandal an die große Trommel hing). Bei der Sächsischen Winzergenossenschaft in Meißen kritisierte man den „Winzerschoppen“, weil er laut Rückenetikett „eine Vermählung von Weinen aus Ost und West“ ist. „Eine verniedlichte Panscherei“ laut Kühn.

Man kann dazu sagen: typisch BILD. Mit Panscherei hat das alles nichts zu tun. Es ist vielmehr lediglich eine Reaktion der beiden Betriebe auf die extremen Frostschäden beim Jahrgang 2009, in dem die Sachsen nur eine Million Liter Wein ernteten, kaum mehr als ein Drittel eines Normal-Herbstes. Wer zu wenig Wein im Keller hat und der Nachfrage nicht Herr wird, ist gelegentlich zu solchen Notlösungen gezwungen. Sie sind legal, solange kein Etikettenschwindel betrieben wird und für den Konsumenten ersichtlich ist, dass es sich um keinen sächsischen Wein handelt.

Das ist so beim Radebeuler Weingut der Fall, das – anders als bei den eigenen Tropfen – hier auf dem Etikett korrekt als Weinkellerei firmiert („Weingut“ wäre angreifbar). Auch die Genossenschaft bezeichnet ihren übergebietlichen Verschnitt nicht als Qualitätswein, sondern nur als „Deutscher Wein“ und informiert auf dem Rückenetikett über den Zukauf im Westen. Die Weinkontrolle hatte die Deklaration vorher abgesegnet. Das Weingut Matyas bekam ebenfalls den Segen der Kontrolleure für seine Etikettierung und bezeichnet die Berichterstattung als „schmutzige Darstellung.“ (r.knoll)

Kommentare (4)
Landessportbund Sachsen steht zu Winzergenossenschaft
geschrieben am 24.09.2010 von RED YOOPRESS

Völlig unbeeindruckt von der aktuell gegen den sächsischen Wein laufenden Kampagne einer Dresdner Lokalzeitung zeigt sich der Sächsische Landessportbund (LSB), der sein 20-jähriges Verbandsjubiläum heute in Dresden feiert.

Mit dabei ist auch die Sächsische Winzergenossenschaft, die den Gästen der Veranstaltung mit ausgewählten Weinen den Tag "verschönern" hilft. "Wir freuen uns, den Landessportbund auch in diesem Jahr wieder mit unseren Produkten verwöhnen zu dürfen2, so Lutz Krüger, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Meißen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kampagne, die eine Dresdner Boulevardzeitung mit Hilfe eines selbsternannten Weinexperten gegen die Genossenschaft führt, freuen sich die Meißner über die Fairness, die ihnen seitens des LSB entgegenschlägt.

"Für uns sind die merkwürdigen Beiträge dieser Zeitung zu keinem Zeitpunkt Anlass gewesen, sich über die Qualität der Produkte aus dem Sortiment der Winzergenossenschaft Meißen Gedanken zu machen", so LSB-Präsident Eberhard Werner. 2Wir haben die Genossenschaft seit vielen Jahren als fairen und vertrauensvollen Partner kennen und schätzen gelernt, deshalb freuen wir uns, auch den heutigen Tag wieder mit Raritäten aus dem sächsischen Weinbau feiern zu können."

Die Meißner kredenzen zum heutigen Jubiläum drei sorgfältig ausgewählte Weine. So haben die Gäste heute Nachmittag die Wahl zwischen einem Weißburgunder, einem kräftigen Kerner oder, für die Rotweinliebhaber, auch einem Regent.

"Ich denke, dass wir nicht nur vor diesem ausgewählten Publikum mit unseren Produkten zweifelsfrei bestehen können, sondern auch gelassen die bevorstehenden Weinfeste in Meißen und Radebeul angehen können", so Lutz Krüger abschließend. (red.yoopress - Auszug aus der PM)

Gegendarstellung zu Berichten der Bild: Winzergenossenschaft Meißen verhält sich rechtskonform
geschrieben am 24.09.2010 von RED YOOPRESS

Deutscher Raiffeisenverband e.V. (DRV): Zum Bericht "Beim teuren Sachsen-Wein wird gepanscht" vom 20. September 2010 und zur Rubrik "Verlierer" vom 21. September 2010 nimmt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) wie folgt Stellung:

Bei dem von der Winzergenossenschaft Meißen angebotenen Wein handelt es sich nicht, wie Bild vermuten lässt, um sächsischen Wein, sondern um einen "deutschen Wein". Dies wird auf dem Etikett deutlich, wie vom deutschen Weinrecht gefordert, kommuniziert.

"Deutsche Weine" dürfen als Cuvée verschiedener deutscher Anbaugebiete angeboten werden. Sie sind als Basisweine anzusehen, die aus Trauben der deutschen Weinbauflächen stammen - wie der Name schon verrät. Ebenso verfahren die übrigen EU-Mitgliedstaaten; ein "französischer Wein" besagt lediglich, dass der Wein aus Trauben gewonnen wurde, die aus Frankreich stammen.

Anders als beim "deutschen Wein" verhält es sich bei Qualitätsweinen. Ein Qualitätswein aus Sachsen beinhaltet zu 100 Prozent Trauben aus dem geografisch streng abgegrenzten Gebiet Sachsen. Der Konsument kann sich also weiterhin darauf verlassen, dass dort, wo Sachsen als Anbaugebiet angegeben ist, ausschließlich Trauben aus dem Anbaugebiet enthalten sind.

Das Herz des sächsischen Weinbaus sind und bleiben die Qualitäts- und Prädikatsweine mit der Angabe "Sachsen". Sie haben der Region in den vergangenen Jahren zu ihrem guten Ruf verholfen! (red.yoopress - PM DRV)

Der "kühne" Kühn
geschrieben am 23.09.2010 von RED YOOPRESS

Den Winzer, der hier möglicherweise von BILD vor den Karren gespannt wurde, war über die normalen Kontaktwege nicht zu erreichen - wen wundert´s!

Weingut Matyas: Stellungnahme...
geschrieben am 23.09.2010 von RED YOOPRESS

ZITAT: "... wir distanzieren uns von all diesen schmutzigen Darstellungen seitens Udo Kühn und Helfricht. Herr Kühn hat mit mir gesprochen. Ihm wurde klar dargestellt, dass dieser Wein zu 100% aus der Pfalz kommt. Auf dem Etikett steht Weinkellerei, weißes Etikett kein grünes Etikett. Auf dem Etikett steht Eichberg für alle Weine in der Literflasche, darunter steht Silvaner Kabinett Prädikatswein Pfalz, abgefüllt im Weingut Matyas. Amtl. Prüfnummer. Im Verkaufsraum hängt eine Liste woher die Weine kommen und die Begründung, warum wir Weine zugekauft haben. Es ist in keiner Weise ein Verschnitt mit sächs. Weinen gemacht. Zukauf ist 100% Wein aus der Pfalz oder Baden. Um den Kunden klar zu informieren haben wir es vermieden Deutscher Wein auf das Vorderetikett zu schreiben und hinten die Erklärung, das der Wein von wo anders kommt. Es wurde diesbezüglich auch mit der Weinkontrolle gesprochen."