Bordeaux 2011: Ein eindeutiges Winzerjahr

Donnerstag, 22. März 2012 | 08:05 Uhr | RED.YOOPRESS | WEINBAUGEBIETE
Quelle: DECANTER
Icon EN
2012_03-bordeaux1
Weinberg auf der „Grand-Poujeaux“ genannten Kiessandkuppe in der Gemeinde Moulis-en-Médoc (Foto: Berndt Fernow)

FRANKREICH (Bordeaux) - Die ersten Kostproben des Bordeaux Jahrgangs 2011 vom rechten Ufer der Gironde haben die Einschätzungen des Oenologen und Weinberaters Denis Dubordieu bestätigt. Der Jahrgang präsentiert sich so, wie es die bizarren Wetterlagen erwarten ließen. Dies notiert Dubordieu auch in seinem Jahresbericht, wo er von „unabsehbaren Folgen“ spricht und den unglaublich heißen Frühling, den kühlen Juli, den verregneten August und den Altweibersommer erwähnt.

Laut Dubordieu sei der eindeutige Gewinner dieses Jahrgangs der Merlot, sofern seine Reben auf Lehm- und Kalkböden wuchsen. Auch der Cabernet Sauvignon, speziell auf Kies- und Lehmböden, die edelsüßen Süßweine von Sauternes und Barsac sowie die Weißweine aus Pessac gehörten zu den Champions in 2011, so Dubordieu. „Der Cabernet Franc ist außergewöhnlich, sofern er nicht unter den Wetterkapriolen gelitten hat“, meint Dubordieu. Dies bestätigt auch Paul Goldschmidt, Eigner vom St. Emilion Grand Gru Classé Château Le Prieuré: „Es war das bisher beste Jahr für den Cabernet Franc“, freut sich Goldschmidt.

Bordeaux erlebte in 2011 einer der seltsamsten Zyklen, an die man sich dort erinnern mag. Nach dem viel zu heißen Frühjahr mit teilweise über 30 °C kam eine anhaltende Dürre im Sommer mit Spitzen in den Temperaturen von über 40 °C. Mancherorts wurden die Trauben an den Reben geröstet - rund 20 Prozent verlorene Ernte war das Ergebnis. Etwas besser erging es den Trauben vom Cabernet Franc und Merlot, dessen Blätter größer und damit mehr Schatten spenden konnten. Dann schwollen durch den verregneten August die Trauben an und in einigen Bereichen war eine Verdünnung der Aromen das Ergebnis. Danach folgten Anfang September Hagelschauer, die vor allem in den Rebanlagen von St. Estephe verheerend wirkten.

„Vielerorts gaben die Böden den Ausschlag dafür, dass sich gewisse Rebsorten besser hielten als andere“, erklärt Denis Dubordieu. „So waren die Erzeuger vom rechten Ufer, wo Böden aus Ton und Kalkstein vorherrschen, erfreut über das Ergebnis ihrer Merlot Trauben. Allerdings die Merlot auf Kies sind nicht annähernd so gut und die auf sandigen oder schlammigen Böden sind geradezu enttäuschend.“

Die Erzeuger vom rechten Ufer, so glimpflich sie auch davon gekommen sind, hatten dennoch mit einem schwierigen Jahrgang zu kämpfen. Im Weinberg und im Keller war eine Menge Arbeit erforderlich, es musste sorgfältig ausgelesen werden und die kraftvollen Tannine brauchten eine schonende Extraktion. „Diejenigen, die noch mehr Geschmack extrahieren wollten, haben damit trockene und herbe Weine erhalten“, sagte Alain Raynaud, Berater von über 20 Gütern in Bordeaux.

„Es war eindeutig ein Winzerjahr“, resümiert Heloise Aubert, Eignerin von acht Schlössern, darunter auch das St. Emilion Grand Cru Classe Chateau La Couspaude. „Der Merlot war sehr erfolgreich, sofern man es schaffte sanft zu extrahieren und mit den Tanninen umzugehen.“ Und Raynaud ergänzt: „Ja, es war ein seltsames Jahr. Noch zu Beginn des Sommers dachten wir an eine Katastrophe während die Trauben in der Sonne verbrannten. Aber die Beeren, die überlebt haben, haben an Intensität gewonnen.“ (red.yoopress)

Kommentare (0)