Die Zahlen für Juni zeigen, dass mit 150 mm Regen mehr als das doppelte der durchschnittlichen Menge nieder ging. Der Zeitraum Anfang April bis Juni war mit nur 119,2 Stunden Sonnenschein der zweit wolkenreichste, neben der „dunkelsten“ Periode mit 115,4 Stunden Sonnenschein im Jahr 1987. Es war auch der kühlste Zeitraum seit 1991 mit einer mittleren Temperatur von lediglich 12,3 °C.
Und trotzdem verlieren die englischen Winzer nicht ihren Mut und sind teilweise sogar optimistisch. „Wir sind gut durch die Frostsaison gekommen. Jetzt beginnt die Blüte - die nächsten Tage werden entscheidend für den Fruchtansatz sein“, kommentiert Mardi Roberts, Managerin bei Ridgeview in Sussex die Lage. „Allerdings kann weiterer Regen eine Reihe von unterschiedlichen Problemen bringen. Angefangen von Schimmel und Verrieselung beim Öffnen der Blüten kann dies zu einer merklich geringeren Ausbeute führen.“
Andere wiederum betrachten die Situation weit pessimistischer. So meint Bob Lindo vom Produzenten Camel Valley in Cornwall: „Wenn es nicht bald sonnig wird, ist die Blüte in Gefahr und dann sieht es nicht gut aus. Wir brauchen jetzt unbedingt eine angenehme Temperatur und keinesfalls mehr Regen. Wenn es allerdings in den nächsten zwei Wochen so weiter regnet, ist ein Großteil der Ernte in Gefahr. Ich vergleiche das Erntejahr 2012 mit dem aus 1993. Damals sagte ich zu meinen Arbeitern, dass ich ihnen für jede gefundene Traube einen Fünfer geben würde.“
Der Schaumweinhersteller Nick Hall in Kent hält die Reife der Trauben in Anbetracht der Witterung, sofern diese anhält, für das Hauptproblem. „Wenn es so weiter geht, werden wir um die Trauben kämpfen müssen, damit diese reifen. Denn wir haben nicht vor zu chaptalisieren. Allerdings haben wir bei der Schaumweinproduktion einen Vorteil - die Trauben müssen nicht allzu reif sein, solange sie einen Fruchteinsatz bekommen.“
Wie Nick Hall hält auch Winzer Owen Elias in Kent eine pessimistische Betrachtung für verfrüht. „Ich betrachte die Situation als Herausforderung. Unser Hauptproblem sehe ich im Wechsel von feuchtem und warmem Wetter, denn dies sind perfekte Bedingungen für den falschen und echten Mehltau wie auch für Botrytis. Aber wer kann schon jetzt vorhersagen, was in den nächsten Wochen und bis zum Erntebeginn noch alles passiert.“ (red.yoopress)





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