Aus für das Traditionsunternehmen Racke nach 155 Jahren?

Montag, 21. Dezember 2009 | 15:07 Uhr | R.KNOLL | UNTERNEHMEN
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1855 Adam Josef Racke - Sohn einer Mainzer Weinhändlerfamilie - gründet das Unternehmen in Bingen am Rhein, jetzt 155 Jahre später zerfällt das Unternehmen wegen drückenden Pensionszahlungen

DEUTSCHLAND (Bremen) - 1855 gründete Adam Josef Racke, Sohn einer Mainzer Weinhändlerfamilie, eine Firma, die im Bereich der Spirituosen- und Weinmarken gut hundert Jahre später zu den großen Unternehmen aufsteigen sollte. Racke stand für den Whisky Rauchzart ebenso wie für den Weinbrand Scharlachberg und den Markenwein Amselfelder aus dem Kosovo, von dem jährlich viele Millionen Flaschen verkauft wurden. Später rückten der Whisky und der Rotwein in den Hintergrund, andere, qualitativ wertvollere Weinmarken wie Golden Kaan, Grande Vitea und Espiritu de Chile gesellten sich zum erfolgreichen Blanchet.

2008 stieg Eigentümer Marcus Moller-Racke bei der Eggers & Franke-Gruppe in Bremen ein; diese Allianz wurde von allen Beteiligten als zukunftsträchtig angesehen und mit der Namensänderung in Racke/Eggers & Franke-Gruppe verbunden. Doch derzeit sieht es ganz danach aus, als würde der Name Racke 155 Jahre nach der Unternehmensgründung von der Bildfläche verschwinden…

Am 18. Dezember informierte das Bremer Unternehmen, dass die seit vier Generationen im Bremer Weinhandel engagierte Familie Meier rückwirkend zum 1. Juli 2009 die 100-prozentigen Anteile an der Firmengruppe (Töchter sind u.a. Ludwig von Kapff, Joh. Eggers Sohn, Reidemeister & Ulrichs) übernimmt und Racke wieder aus dem Firmennamen getilgt wird. "Die Firma Racke GmbH & Co. KG hat ihre Beteiligung an uns verkauft, und damit alle Weinhandelsaktivitäten in Deutschland", ließ Stephan Meier, einer der Eigentümer in Bremen, wissen.

Von Racke kam dazu keine offizielle Stellungnahme, nur die Information der Pressechefin Romy Zöller, dass sie ihren letzten Arbeitstag in der Zentrale in Mainz verbracht hatte und diese in den kommenden Monaten geschlossen wird. Sofort kochte die Gerüchteküche hoch. Aber der Grund für die Nachricht aus Bremen lag fast 40 Jahre zurück. Es gab weder unterschiedliche Auffassungen über die Unternehmenspolitik und gar Zwistigkeiten unter den Eigentümern. "Wir waren in Bremen gut aufgestellt und kamen voran", erklärt der Verkäufer Marcus Moller-Racke. Ihn drückten seit geraumer Zeit gewaltige Pensionsverpflichtungen (siehe Interview), die ihn jetzt zwangen, möglichst viel Geld flüssig zu machen, um sich davon gewissermaßen freizukaufen.

Die Marke Amselfelder wurde schon vor längerer Zeit nach Frankreich verkauft. Blanchet wechselte am 1. November 2009 unter das Dach der Rotkäppchen Mumm Sektkellerei in Freyburg. Die südafrikanische Marke Golden Kaan, ein Joint Venture zwischen Racke und der Kap-Kellerei KWV, wurde von dem südafrikanischen Partner allein übernommen. Auch aus dem 2006 vollzogenen Engagement mit der chilenischen Aresti Winery und dem Espiritu de Chile zog sich Marcus Moller-Racke vorläufig zurück. Für die Kupferberg-Liegenschaften in Mainz, die teilweise Museums-Status haben, scheint ein Käufer in Sicht zu sein. Auch von Aktivitäten in Polen und dem kalifornischen Spitzenweingut The Donum Estate (wo derzeit Moller-Rackes Tochter tätig ist) will man Abschied nehmen.

Wer mit Marcus Moller-Racke spricht, vernimmt Gram in der Stimme, aber auch die Kampfeslust, die es ihm 1991 ermöglichte, das Unternehmen seinem Vater Harro abzukaufen, der damals schon alles veräußern wollte. "Vielleicht komme ich mit einem kleinen Racker wieder", versucht er einen Scherz. (r.knoll)

Kommentare (1)
Missmanagement
geschrieben am 23.12.2009 von Ralph Seeberger
es ist sehr bedauerlich zu lesen, wie ein so tradtionsreiches Unternehmen in den Abgrund gefahren worden ist. Wenn man als ehemaliger und langjähriger Rackeaner erlebt hat, wie Marcus Moller-Racke das Unternehmen sehr selbstherrlich geführt und niemals auf einen Rat der bewährten Mitarbeiter gehört hat, dann ist man eigentlich nicht verwundert, dass dieses an die Wand gefahren wurde. Sogar Aussenstehende haben das Ende des Unternehmens schon lange erwartet. Man konnte ja zusehen, wie Jahr für Jahr das "Tafelsilber" verkauft wurde - Firmen wir Pott Rum, Kupferberg, Scharlachberg, Dujardin. Alles sehr erfolgreiche Unternehmen, die der Vater von Marcus Moller-Racke gekauft und weiterentwickelt hatte. Leider hatte der Junior und die Gesellschafter seine Fähigkeiten völlig überschätzt, sonst hätte ,man sich rechtzeitig einen erfahrenen und kompetenten Manager von aussen geholt und das Erbe des gründers Adam Josef Racke und seine nachfahren erhalten können.