Marcus Moller-Racke im Interview: Rentenpflichten fressen das Unternehmen auf

Montag, 21. Dezember 2009 | 15:13 Uhr | R.KNOLL | UNTERNEHMEN
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Marcus Moller-Racke, Geschäftsführender Gesellschafter der Racke GmbH + Co KG

DEUTSCHLAND (Mainz) - Der bekannte und renommierten Verkoster, Weinjournalist und Weinautor Rudolf Knoll im Gespräch mit Marcus Moller-Racke zum Thema: "Aus für Racke nach 155 Jahren?"

Rudolf Knoll: Sie müssen ein eigentlich erfolgreiches Unternehmen häppchenweise veräußern. Was genau ist die Ursache?

Marcus Moller-Racke: Das sind Altlasten aus sehr guten Zeiten, die gigantisch gewordene Ausmaße angenommen haben. Die Basis legte noch mein Vater Harro Moller-Racke in den siebziger Jahren mit der Verpflichtung von Betriebsrenten, die durch die Übernahme von einigen Häusern und damit deren Mitarbeitern immer größer wurden. Wir haben aktuell rund 900 Familien mit Rentenzusagen. Nach einer Schätzung wird die letzte Rentenzahlung noch nach 2060 fällig werden.

Rudolf Knoll: Wie groß ist die finanzielle Belastung?

Marcus Moller-Racke: Wir haben in der Vergangenheit bereits rund 50 Millionen Euro für Rentenzahlungen ausgegeben. Eine Studie ergab, dass noch mal mindestens die gleiche Summe aufgebracht werden muss, aber möglicherweise wird es mehr sein, da die Lebenserwartung weiter steigt. Das können wir nicht mehr stemmen. Der Liquiditätsabfluss pro Jahr ist wahnsinnig.

Rudolf Knoll: Wie sieht die Lösung aus?

Marcus Moller-Racke: Als ich 1991 den Betrieb übernahm, bin ich zunächst keine weiteren Rentenverpflichtungen eingegangen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Ansprüche an ein großes Versicherungsunternehmen abzutreten. Aber das funktioniert nur, wenn wir bei den Kosten in Vorleistung gehen.

Rudolf Knoll: Hätte es eine Alternative gegeben?

Marcus Moller-Racke: Es gab Leute, die haben nach Analyse unserer Situation geraten, ich soll die Firma an die Wand fahren und Insolvenz anmelden. Aber das widerspricht meinem Naturell.

Rudolf Knoll: Was ist mit den Mitarbeitern in Mainz?

Marcus Moller-Racke: Ich wollte sie gut absichern und denke, dass mir das gelungen ist. Sie werden, wenn die Firma Racke nicht mehr in alter Form existiert, für neun Monate in einer Transfergesellschaft untergebracht und bekommen 80 Prozent des Nettolohnes. Außerdem wird versucht, sie gezielt zu vermitteln. Deshalb ist die Stimmung im Haus derzeit relativ gut.

Rudolf Knoll: Als 54-Jähriger sind Sie selbst noch nicht im Rentenalter. Was werden Sie anstellen?

Marcus Moller-Racke: Jetzt muss ich zunächst einige weitere Dinge abwickeln und sehen, ob mir noch etwas bleibt. Ich habe außerdem vertraglich die Möglichkeit, bei Espiritu du Chile wieder in das Joint Venture mit der Aresti Winery einzusteigen.

Rudolf Knoll: Ich danke Ihnen, Herr Moller-Racke, für das offene Gespräch.

Kommentare (1)
Typische MMR Storyline
geschrieben am 17.01.2010 von
So so, die Pensionsverpflichtungen also! Wäre es möglich, dass nach all den Jahren einer durch Marcus Moller-Racke verfolgten und verfehlten Unternehmensstrategie, das Unternehmen nicht mehr genug Profit und womöglich jetzt auch nicht mehr genug Liquidität generiert hat, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Hier liegt doch wohl der wahre Grund. MMR ist dem Insolvenzverwalter offensichtlich nur knapp zuvor gekommen. Bis zum Schluss wird, wie über Jahre hinweg, die Wahrheit ignoriert oder verdrängt, Schlechtes schöngeredet und Symptome zu Ursachen erklärt.Die Dummen sind mal wieder die Arbeitnehmer und deren Angehörige, die dem Unternhemn bis zuletzt vertraut haben, und das in einer Region, deren Arbeitsmarkt ohnehin schon seit Jahren leidet und keine Ausssicht auf Besserung vermuten lässt. Daher wohl die relativ gute Stimmung im Haus?MMR hat über Jahre starrsinnig seine sogenannten unternehmerischen Visionen verfolgt. Ehrliche und konstruktive Ratgeber wurden verprellt, entlassen, gemobbt oder verließen entnervt das Unternehmen. Dies schuf Raum für einen direkten Unterbau der Kopps und Cadenbachs unter Moller-Racke, sogenannten Vorständen, die es womöglich wider besseres Wissen verstanden haben, Ihren Boss einerseits nicht zu reizen, andererseits das Meiste für sich persönlich herauszuholen. Dies offensichtlich nicht nur, aber auch gegen die Interessen der Firma und ihrer Mitarbeiter. Es heißt, dass sich insbesondere ein gewisser Vorstand Funk früh dabei hervorgetan haben soll, mit einer als menschenverachtend empfundenen Synergie- und Einsparpolitik die Vernichtung der Werte, die die vorherige Generation aus Familie und Mitarbeitern geschaffen hatte, einzuleiten und fortzusetzen bis er viel zu spät gestoppt wurde.Dieses Aus nach 155 Jahren ist eine Schande und man sollte hoffen, dass MMR soviel Vermögen verbleibt, dass er nicht als Unternehmer in die Wirtschaft zurückkehren muss.