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PORTRAITS

Cru Rasteau – großes Potential, dynamische Erzeuger
Oberer Reihe v.l.n.r.: Elodie Balme, Gilles Ferran (Domaine des Escaravailles), Rejane und Wilfried Pouzoulas (Domaine Wilfried) – untere Reihe v.l.n.r.: Jean-Pierre Bertrand (Domaine Grand Nicolet), Julie Paolucci und Nicolas Bres (Domaine La Luminaille) (© Stefan Krimm, Elodie Balme, Domaine Wilfried; La Luminaille)

FRANKREICH (Rasteau) – Auf den ersten Blick macht Rasteau nicht viel von sich her: ein Winzerdörfchen der südlichen Rhône wie viele andere: alte Häuser, teilweise verwinkelte Gassen, der mit etwas windschiefen Platanen umstandene Dorfplatz, eine kleine Kirche ganz oben, dazu zwei Kapellen. Gut 800 Einwohner, auf die pro Kopf knapp ein Hektar Rebfläche kommt – zusammen sind es 733 Hektar. Die Rotweine gelten wegen der tonigen und mergeligen Kalkböden, der teilweise mächtigen Auflage von Rollkieseln und der südlichen Exposition der Rebflächen im bis auf 350 m ansteigenden Hang über der Ouvèze als kraftvoll, ja mächtig. Bisweilen werden sie mit denen von Châteauneuf-du-Pape verglichen. 

 

Julien Laugier, ein Sommelier, der, vom „Pic“ in Valence bis zum Ritz Carlton in Shanghai und zum „Jumeirah“ in Dubai weit in der Welt herumgekommen ist und mittlerweile selbst künftige Fachkollegen ausbildet, meint, wenn man bei einer Degustation mit feinen und fruchtigen Weinen beginne, solle man die aus Rasteau besser ans Ende der Reihe stellen, wenn die Schwergewichte kommen. Die selbstgewählte Devise der Appellation „Corps et âme“ unterstreicht das: Wer das Terroir angemessen nutzen will, produziert keine leichten Sommerweine, sondern Speisebegleiter für die kühleren Tage, wenn Wildgerichte, kräftig gewürzte Lammkeulen, Braten mit reduzierten Soßen und die üppigen Fleischportionen der Daubes Provençales auf den Tisch kommen. 

„Es sind komplexe, kraftvolle und langlebige Weine“, meint Jean-Pierre Bertrand von der Domaine Grand Nicolet, einer der beiden Sprecher der Winzer, auf die Frage zu den besonderen Merkmalen der Weine seiner Appelation, „sie sind großzügig und gleichzeitig fein“. Schreiben wir - im Vergleich etwa mit Gigondas oder Beaumes-de-Venise - das letzte Adjektiv etwas kleiner, dann trifft er die Sache ziemlich genau. 

Bemerkenswert ist – etwa im Vergleich mit dem benachbarten Cairanne, wo man sich lange über die Flächenabgrenzung für die eigentlich längst verdiente Cru-Anerkennung herumstritt – in Rasteau die Geschlossenheit und Dynamik der Produzenten: Bei jedem Anlass und auch bei der Gestaltung ihres Internet-Auftritts spürt man, dass sie sich gemeinsam viel vorgenommen haben und dabei dem gegenseitigen Neid keinen Raum geben wollen. Wo sonst findet man so aussagekräftige Porträts einzelner, auch jüngerer Winzer? Üblicherweise treten da die lieben Kollegen aus Gründen der Konkurrenz doch eher ein wenig auf die Bremse. Hier sieht das – ohne die Welt rosa malen zu wollen – etwas anders aus. Das mag nicht zuletzt auch mit der mitreißenden und manchmal wohl auch dämpfenden Energie der beiden Sprecher des Syndicats der Produzenten zusammenhängen, der fröhlichen Karine Biscarrat  und des soliden, selbstbewussten Jean-Pierre Bertrand.

Schaut man sich das örtliche Winzerverzeichnis an, so gewinnt man den Eindruck, dass die aufmerksamen Nachbarn aus Orten, die schon länger als „Crus“ anerkannt sind, das Potential des Orts, der diesen Status erst 2010 erreichte, früh erkannten. Nicht wenige Erzeuger aus Gigondas, aus Cairanne und aus Châteauneuf-du-Pape haben hier – zu eher moderaten Preisen - rechtzeitig Rebland erworben. Die Rechnung mit dem Hektar pro Einwohner stimmt also nicht, denn die Hälfte der mehr als 50 Betriebe gehört „Auswärtigen“! 

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Oben: Bodenaufbau im Areal der Domaine des Escaravailles – unten: typisch für diese Region sind die Rollkiesel (galets roulés). (@ Stefan Krimm)
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Rasteau galt wegen der unbestreitbaren Qualitäten seines Terroirs schon länger als Geheimtipp: vorzügliche Exposition, Vielfalt der Bodentypen, vom steindurchsetzten alten lehmigen Schwemmlandterrassen auf blauen Mergeln im Tal (120-160 m Höhe) über die mit Geröll vermischten gelblichen und grauen Mergel im mittleren Hang (160-290 m Höhe) bis zu den eisenhaltigen, mit  den erwähnten Rollkieseln („galets roulés“) bedeckten rötlichen Böden der oberen Teile, die an Châteauneuf-du-Pape erinnern, aber bis 320 m ansteigen, was den Weinen eine gewisse Finesse verleiht. Hinzu kommen die Drainage durch Hangneigung und kiesige Schichten und die wohltätige Wirkung des in seiner vollen Wucht durch die nördliche Hangkante etwas abgebremsten Mistrals: die Gesundheit der Reben ist hier kein sonderliches Thema und die Windschäden an den langen grünen „Peitschen“ der wüchsigen Syrah im späteren Frühjahr halten sich insgesamt auch in Grenzen.

Kein Wunder also, dass sich unter den Besitzern auch die allgegenwärtigen Perrins vom Château de Beaucastel, die Coulons von der Domaine de Beaurenard und die Brunels vom Château La Gardine in Châteauneuf-du-Pape finden, die Perspektiven von Rasteau sind einfach zu gut. Auch die Weinliebhaber außerhalb Frankreichs haben das erkannt: 43 % der Produktion gehen bereits in den Export, obwohl Robert M. Parker noch 2011 gemeint hat, selbst der renommierteste Erzeuger am Ort, die Domaine des Escaravailles liege etwas unterhalb des Radars. Das ändert sich gerade und wer an Spitzenweinen auf hohem Niveau und zu einem Fünftel bis zu einem Drittel des Preises der führenden Erzeuger von Châteauneuf-du-Pape interessiert ist, sollte sich hier einmal umsehen. Sie sind wie dort stark von der Grenache geprägt, die 50 % der Cuvée ausmachen muss. Hinzu treten mit zusammen mindestens 20 % die farbstarke, veilchen- und kräuterwürzige Syrah und die straffe, tanninstarke Mourvèdre, welche nicht nur den ständigen Hang der Grenache zur Oxidation bremst und die Weine langlebiger macht, sondern ihnen auch feine Aromen von Unterholz, Leder und kandierten Früchten verleiht. Manche Winzer verfügen auch noch über Parzellen mit alten Carignan, die bei niedrigen Erträgen zusammen mit der Mourvèdre für Gerüst und Stoffigkeit sorgen kann.

Verkostet wurden die Weine des Jahrgangs 2015, der von den Winzern zu Recht als ganz vorzüglich eingeschätzt wird. Kräftige Niederschläge hatten im November des Vorjahrs mit einer Gesamtmenge von 250 mm für gute Wasserreserven gesorgt, die zu Beginn der Vegetationsperiode im April noch ergänzt wurden. Die Blüte fand Ende Mai zu idealen, schon fast sommerllichen Bedingungen statt und im Juli und August gab es nicht nur hinreichend Sonne, sondern auch immer wieder einzelne Gewitter, die Hitzestress verhinderten. Insgesamt war es sehr einfach, mit deutlich weniger Arbeit als 2014 gesundes und vollständig ausgereiftes Traubenmaterial zu erhalten, das fruchtige, harmonische, durch reife Tannine geprägte Weine lieferte. Und auch die Menge stimmte!

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Eine Auswahl der verkosteten Weine. (© Stefan Krimm)
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Beeindruckt haben:

2015 Rasteau AC „Héritage 1924“, Domaine des Escaravailles (15,5% vol)
Kräftiges Rubinrot; feinsüße Aromen von roten Beeren und Kirschen mit ganz leicht vegetabilen Noten; am Gaumen hinreißende, kräuterwürzig unterlegte Mischung von Erdbeere, Kirsche und Schwarzkirsche, reif, freigiebig, fast cremig und sehr harmonisch; im sehr langen Nachhall mentholige Noten, die für Spannung und Eleganz sorgen. Ein Wein, der das große Potential der Grenache deutlich macht!
17,5/20

2015 Rasteau AC, „La Ponce“, Domaine des Escaravailles (15% vol)
Purpurrot; im Duft mineralische, tiefe Kirschfrucht mit Brombeeren; auch am Gaumen fruchtig und mineralisch, viel Kirsche, schöne Würze, etwas Brombeergelee, feinbittere Tannine, schönes Feuer, langer Nachhall 
16,5/20

Das Gut umfasst bis in die höchsten Lagen der Appellation insgesamt 65 ha. Gilles Ferran galt schon bei der Ausbildung in Montpellier, wo er Jahrgangsbester wurde, als vielversprechendes Talent. Seine dort geschlossene Freundschaft mit dem von vielen Erzeugern hochgeschätzten, von ihm als „Magier“ bezeichneten Önologen Philippe Cambie gibt ihm immer wieder neue Impulse. Mit dem „Calendal“ haben die beiden auch ein weithin beachtetes gemeinsames Projekt realisiert. Der „Heritage 1924“ kommt von einer Parzelle mit bald 100-jährigen Reben ein paar 100 m südwestlich unterhalb der Kellereigebäude. Er zeigte sie mir mit sichtlichem Stolz und pflegt sie wie seinen Augapfel. 

2015 Rasteau AC, Domaine Elodie Balme (15% vol) 
Kräftiger, leicht gedeckter Rubin; im würzigen Duft frische, fruchtige Kirschen, Waldbeeren und ein winziger Hauch von frisch gemähtem Gras; am Gaumen sehr eigenständig mit klarem Relief; Kirsche, Waldbeeren und Steinobst, etwas Bitterschokolade, geschmeidige Tannine, guter Schliff, schöner Körper, langer Nachhall 
17/20

Die junge, unternehmungslustige Winzerin, die in diesem Jahr trotz ihrer erst 34 Jahre bereits ihre 12. Ernte einbringt, ist dabei, ihr 5,5-ha-Gut mit in der Spitze der Appellation zu etablieren. Sie entstammt großväterlicherseits dem für den Weinbau der Region bedeutsamen Familienclan der Charavins und hat u.a. bei dem Cairanner „Starwinzer“ Marcel Richaud sowie auf der Domaine Beau Mistral gearbeitet, bevor sie sich für die Selbständigkeit entschied.“Ich denke, man muss die Natur machen lassen und die Erfahrungen der Vorgängergenerationen respektieren.“, bemerkt sie. Ihr Ziel sind dabei durchaus kraftvolle, aber nicht zu tanninharte Weine. 

2015 Rasteau AC, Domaine Rabasse-Charavin (15% vol)
Purpurrot; einnehmender, ganz leicht vegetabiler Duft nach Waldbeeren und fleischigen Kirschen mit einem Hauch von Bitterschokolade; am Gaumen dicht mit reifer, harmonischer, geschliffener Kirsch-Frucht bestens abgestimmt mit den sehr feinen Bitternoten der runden Tannine, Eleganz und Schliff, sehr langer Nachhall 
16,5/20 

Laure Couturier bewirtschaftet zusammen mit ihrer Mutter Corinne, die man getrost als „Grande Dame“ von Cairanne bezeichnen kann, rund 40 ha, davon 7,5 ha in Rasteau. Herbizide und Insektizide sind aus dem Weinberg verbannt, Barriques sucht man im Keller vergebens. Der mittlere Ertrag liegt für den Rasteau bei extrem niedrigen 25 hl/ha und das merkt man den dichten, eleganten Weinen auch an. 

2015 Rasteau AC „Les Cras“, Domaine du Trapadis AB* (14% vol)
Tiefes Purpurrot; im Duft süße, dichte, leicht mineralische Schwarzkirsche; im Mund viel kultivierte Frucht mit Akzenten von reifen Heidelbeeren, feines Spiel, trotz der Jugend schon schöner Schliff, gut eingebundene Tannine, langer Nachhall 
16,5/20

2015 Rasteau AC „Les Adres“, Domaine Trapadis AB* (14% vol)
Kräftiger Rubin; Nase zurückhaltend mit Kirschen und Kräutern; im Mund kirschige Frucht mit Waldbeeren, schöner Schliff, mittlerer Körper, recht langer Nachhall; braucht im Glas Zeit
15,5/20

Helen Durand, der nach seinem Studium u.a. auf Château Beaucastel gearbeitet hat, ist einer der interessantesten Winzer in Rasteau. Nicht nur als bekennender Biodynamiker, sondern auch wegen seiner Neugier und Offenheit für ungewöhnliche Wege. So setzt er seit einiger Zeit Musik aus durch Sonnenpaneele gespeisten Lautsprechern ein, um die Gesundheit seiner Rebstöcke zu fördern. Kennengelernt hat er die Methode bei einem renommierten Winzer an der Loire und er bekämpft damit Krankheiten wie die schon in der Antike bekannte, aber wohl im Gefolge des Klimawandels zunehmende Pilzerkrankung Esca, die vor allem seine älteren Mourvèdre-Bestände gefährdet. Hatte ihre Zuwachsrate in den vergangenen Jahren jeweils 5 % betragen, so will Durand seit dem Beginn der Beschallung einen Rückgang von 70 % beobachtet haben. Seine ungefiltert abgefüllten kraftvollen Weine entstehen im Keller so gut wie eingriffsfrei. 

2015 Rasteau AC „La Bastide“, Domaine Brusset Cairanne (13,5% vol)
Dichter, kräftiger Rubin; einnehmender Duft nach reifen Waldbeeren und Brombeergelee; am Gaumen kultivierte, ganz leicht geleeige Waldbeeren-Frucht, feine Würze, schöner Schliff, Biss und Spiel, Verbindung von Stoffigkeit und Eleganz, recht langer Nachhall. Vielversprechend!
16,5/20

Die in Cairanne, dem Nachbarort von Rasteau, ansässige Familie Brusset gilt dort, aber auch in Gigondas, wo sie in den Dentelles de Montmirail über anlagen verfügt, als feste und zuverlässige Größe. Aufgebaut hat das 1947 gegründete, mittlerweile kellertechnisch sehr modern ausgestattete Gut Daniel Brusset, der von seinem Vater André 4 ha geerbt hatte. Heute sind es 87 ha und Sohn Laurent hat die Zügel übernommen. 

2015 Rasteau AC, Domaine Bressy-Masson (15 % vol)
Mittleres Purpurrot; einnehmender, ganz leicht metallischer Duft nach fleischigen Kirschen und einer Spur Deckblatt; am Gaumen harmonisch, süß und poliert mit Noten von Kirsche und etwas Schattenmorelle, feinbittere Tannine, mittlerer Körper, recht langer Nachhall 
16/20

Die 1947 gegründete, heute gut 30 ha umfassende Domaine Bressy-Masson wird seit 1976 von Marie-France Masson geleitet. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann Thierry und ihrem Sohn Paul-Emile. Die Solidität ihrer Arbeit wird allgemein anerkannt und das Alter der Reben für ihren klassischen Rasteau (Grenache: 70 Jahre; Syrah, 40 Jahre) ermöglicht regelmäßig die Produktion harmonischer, nie zu tanninharter Weine von schöner Finesse.

2015 Rasteau AC Vieilles Vignes, Domaine Grand Nicolet (15% vol)
Dicht Purpurrot; kräftige Waldbeeren-Aromen, süßes Kirschfleisch, ganz leicht metallisch, würzige trockene Kräuter; am Gaumen fruchtig, elegant und geschliffen, viel Kirsche und Waldbeeren, feinbittere Tannine, recht langer Nachhall 
16/20

Jean-Pierre Bertrand (52), kräftig, selbstbewusst und optimistisch, wirkt bei aller Dynamik wie der ruhende Pol inmitten der recht quirlig gewordenen Winzerschaft von Rasteau. Sein 31 ha umfassendes Gut verfügt über den ältesten privaten Keller am Ort aus dem Jahr 1926 und wird wie Gilles Ferran von Philippe Cambie beraten. Von übertriebener Kellertechnik hält er nicht viel, von intensiver Weinbergsarbeit umso mehr. Momentan plant er den Übergang zur biologischen Bewirtschaftung. Bemerkenswerte 70 % der Produktion gehen in den Export.

2015 Rasteau AC „Selection Vieilles Vignes“, Domaine Beau Mistral (14% vol)
Purpurrot; im komplexen Duft mineralische Waldbeeren mit einer winzigen Spur von zerriebenen grünen Blättern, Pfeffer und Kräutern; am Gaumen kultiviert und geschliffen, feine Nuancierung, rund und ganz leicht süß, Hauch Vanille, langer Nachhall. Braucht noch Zeit.
16/20

Jean-Marc Brun verfügt über einen Schatz von 60-100 Jahre alten Reben, die es ihm erlauben, sehr nuancierte Weine zu produzieren. Die „Selection Vieilles Vignes“ kommt aus diesem Bereich. Bei den Vinalies 2016 wurde der Wein von den französischen Önologen mit dem Prix d’Excellence ausgezeichnet. Ohne die etwas gefälligen Vanillenoten wäre er wohl sogar noch schöner.

2015 Rasteau AC „Cuvée Confiance“, Domaine La Soumade (14,5% vol)
Purpurrot, violette Reflexe; leicht süßer Kirschduft, Spur Holz; am Gaumen elegant, reif und ausgewogen; feine Süße unterlegt mit feinbitteren Tannine, schönes Spiel, Hauch Bitterschokolade, langer Nachhall, gutes Entwicklungspotential 
16/20

2015 Rasteau AC „Cuvée Préstige“, Domaine La Soumade (14,5% vol)
Purpurrot; leicht rauchige Aromen von Kirsche, Kräutern und trockenem Holz; im Mund harmonisch, dicht und recht geschliffen, schöner Stoff, eine winzige Spur Bitterschokolade,  langer, noch etwas von den kräftigen Tanninen überdeckter Nachhall,  gutes Entwicklungspotential 
16/20

Die 1979 von André Romero gegründete Domaine la Soumade war über längere Zeit das führende Weingut in Rasteau. Insbesondere in den 90er Jahren überschlugen sich die Kommentare der Fachpresse. Mittlerweile haben andere aufgeschlossen, aber die Arbeit von André und seinem Sohn Frédéric, der nach seiner Ausbildung 1996 einstieg, gilt nach wie vor als untadelig. Der Vater, ein erklärter Weinbergsmensch, ist befreundet mit Patrick Carteyron, der etwa gleichzeitig mit ihm im Bordelais mit seinem Château Penin für Aufsehen sorgte. Der Spaß am Blick über den Zaun ging so weit, dass Roméro sich sogar im Anbau von Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Tannat versuchte. Aus Bordeaux hat er auch eine Pflanzdichte von 7000 Stöcken pro Hektar übernommen. Und die Beratung durch den mittlerweile weltweit geschätzten Önologen Stéphane Derenoncourt, der die Weine des Guts nach Überzeugung von Frédéric noch geschmeidiger und finessenreicher gemacht hat. 

2015 Rasteau AC, 1er NÉ(Z), Domaine La Luminaille (15% vol)
Purpurrot mit violetten Reflexen; leicht vegetabile, feinwürzige Aromen von Waldbeeren und Kirschen; im Mund frisch und fruchtig, viel Kirschfleisch, feiner Biss, gut integrierte Säure; mittlerer Körper, schönes Feuer, spürbare Tannine, recht langer Nachhall 
15/20 

2015 Rasteau AC „2me NÉ(Z)“, Domaine La Luminaille AB* (14% vol)
Kräftiger Rubin, schmaler Rand; im Duft Waldbeeren und etwas Sattelleder; im Mund Waldbeeren und eine Spur Schattenmorelle, mineralische Anklänge, kräftige Tannine; mittlerer Körper, mittlerer Nachhall, braucht Zeit im Glas! 
15,5/20

„Ein großer Wein ist vor allen Dingen ein Terroir-Wein, der die Merkmale seiner Appellation, ihre Böden und die Bedingungen seines Jahrgangs widerspiegelt. Daneben ist die ‚Trinkigkeit‘ (‚buvabilité‘) sehr wichtig: Er muss einfachen Liebhabern ebenso schmecken wie Spezialisten und er sollte mit vielen Speisen harmonieren.“ So antwortet die frühere Pariser Sommelière Julie Paolucci auf die Frage, was einen Spitzenwein ausmacht. Sie denkt nicht nur bis zur Kellertüre. Zusammen mit Nicolas Bres, der sich mit viel regionaler Erfahrung zusammen mit ihrem Vater um die Arbeit „draußen“ kümmert, führt die 29-Jährige La Luminaille, einen ganz jungen Betrieb mit 17 ha in Rasteau. Der erste Jahrgang wurde 2015 abgefüllt und die Produktion ist mit gut 11000 Flaschen noch begrenzt. „Aber wir sind die Generation, welche die Zukunft bestimmen wird“, meint sie selbstbewusst und ihre mannigfaltigen Aktivitäten im Rat der Winzer und als Beauftragte für die Promotion des Crus zeigen, dass sie das ernst meint. Ihre Rebfelder liegen im kühleren Norden der Appellation. Die im großen Holz und in gebrauchten Barriques ausgebauten Weine sind in ihrer Würze, Frische und Fruchtigkeit davon geprägt. Man sollte ihre Domaine im Auge behalten, der Start ist gut gelungen!

2015 Rasteau AC, Domaine Wilfried AB* (14 % vol)
Mittleres Purpurrot; in der Nase Waldbeeren, etwas Heu und ein Hauch dunkle Schokolade; im Mund jung und fruchtig, viel Kirsche und etwas Schattenmorelle, feinbittere Tannine, mittlerer Körper, recht langer Nachhall. Ein fruchtbetonter, frischer Wein mit Entwicklungspotential 
15,5/20 

2015 Rasteau AC „Septentrion“, Domaine Wilfried AB* (14,5% vol)
Kräftiges Rubinrot; im Duft feine, ganz leicht geleeige Kirsch-Aromen; im Mund junge Kirsch-Frucht mit vegetabilen Anklängen, etwas trockene Tannine, mittlerer Körper, schöner Nachhall. Sollte noch liegen!
15/20

Die Geschwister Réjane (41) und Wilfried (43) Pouzolas gehören mit ihrem 32 ha umfassenden Betrieb seit mehr als 10 Jahren mit zu den Pionieren des biologischen Weinbaus in Rasteau. Kein Wunder, dass die Arbeit im Weinberg für sie an erster Stelle steht, wenn es um Qualität geht. Für ihre Cuvée „Septentrion“ verwenden sie 90 % Grenache und 10 % Carignan, das könnte bedeuten, dass ihre Weine „heiß“ und alkoholisch sind, denn ältere Grenache-Stöcke sind, wie mancher karamellige Fehlgriff zeigt, in der Lage, extreme Mostgewichte zu liefern. Hier ist das Gegenteil der Fall: „Wir streben feine, elegante Weine an, pur, mit schöner Frische und Tiefe sowie etwas Spannung“, betont Réjane,“und wir haben es gerne, wenn sie etwas ‚pinotieren‘“. Dazu passt, dass zu den Zukunftsplänen auch die Weißweinproduktion gehört. 

* (AB=Agriculture Biologique)

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Bevorzugtes Design von Etiketten für die Weine der Region Rasteau. (© Stefan Krimm)
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FAZIT

Die Winzer des noch jungen Crus Rasteau sind auf einem guten Weg und bestätigen damit die positiven Einschätzungen ihrer aufmerksamen Nachbarn bezüglich des vorhandenen Potentials. Ein Kompliment verdient hat, gerade in einem sonnenverwöhnten Jahr wie 2015, die fast immer gelungene Bändigung des früher manchmal überschießenden Alkohols. Hatte der eine oder andere befürchtet, dass die Aufstufung in die Champions League der französischen Weinwelt über kurz oder lang zu überschweren ehrgeizigen Cuvées mit Einsatz von viel neuem Holz führen würde, kann man nun feststellen, dass davon insgesamt kaum etwas zu spüren ist. Chapeau!

NACHTRAG

Eigentlich kann man über Rasteau nicht berichten, ohne auch auf die Domaine Gourt de Mautens einzugehen. Jerôme Bressy (44), ein kompromissloser Winzer der Sonderklasse, den manche in eine Reihe mit den bereits verstorbenen Legenden Henri Bonneau und Jacques Reynaud (Château Rayas) aus Châteauneuf-du-Pape stellen, produziert keine Rasteau-Weine mehr. Da er, um in der AOC verbleiben zu können, nicht im Reglement zugelassene alte Sorten hätte roden und auch auf den traditionellen Mischsatz hätte verzichten müssen, zog er es vor auszuscheiden. Aus Carignan, Cinsault, Counoise, Grenache, Mourvedre, Syrah, Terret Noir und Vaccarese produziert er einen „IGP Vaucluse“, der in Konzentration, Persönlichkeit, raffinierter Finesse und Alterungsfähigkeit kaum eine Konkurrenz hat und ihm bei winzigen Erträgen (weniger als 15 hl/ha) ungeachtet des mittlerweile recht stolzen Preises förmlich aus den Händen gerissen wird. Aber das ist eine eigene Geschichte! (stefan.krimm)

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