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FRANKREICHC (Narbonne, Avignon) – Zwei weitere Bemerkungen schließlich seien unseren Verkostungsnotizen vorangestellt:  Zum einen beinhaltet die französische Weinfachsprache – gerade auch für den Bereich der Rosés – diverse Begriffe, die es im Deutschen nicht gibt, da hier entsprechende Differenzierungen nicht üblich sind. Ein Wort wie „églantine“ sucht man bei uns vergebens („weinrosa“) und unter „œil-de-perdrix“ vermag sich wohl kaum einer etwas vorzustellen, der nicht schon einmal einem Rebhuhn Auge in Auge gegenüberstand. So bleiben nur die Bezeichnungen für die dunkleren Töne (Lachs, Rose, Erdbeere und Grenadine), um die Farben der Rosés zu beschreiben. Der oben erwähnte „Guide Hachette des Rosés 2017-18“ schlägt insgesamt neun Farbbezeichnungen vor, darunter auch „Koralle“, „Pfingstrose“ sowie „Zwiebelschale“.

 

Zum anderen sollte man davon Abstand nehmen, Rosés grundsätzlich unterkühlt zu trinken. Selbst in guten Restaurants existiert manchmal die Unsitte, ihn direkt aus dem Kühlschrank als trinkreif anzusehen. Viele Rosés allerdings entwickeln ihren wahren Geschmack bzw. dessen Nuancen erst bei höheren Temperaturen. Oft haben wir erlebt, wie sich der Wein nach zehn, zwanzig Minuten im Glas schließlich zu entfalten begann und sich uns dann erst in seiner ganzen Komplexität offenbarte. Der Genießer möge also standhaft sein und auch einem Rosé zu seinem Recht bzw. zu seiner Temperatur verhelfen – ein guter wird es ihm allemal lohnen. (So darf es auch nicht verwundern, wenn man in guten Restaurants manchmal auch seinen Rotwein im Kühler serviert bekommt: „Raumtemperatur“ ist in Südfrankreich im Sommer selten die adäquate Kühlung für Wein.)

Caves Rocbère: „Grande Réserve“

Wir starteten unsere Verkostung, die sich über drei Wochen hinzog, mit einer „Grande Réserve“ der Caves Rocbère aus dem Corbières, ein Rosé mit 13,5% Alkohol. Wie viele andere Rosés ist er eine Cuvée, in diesem Fall aus Syrah, Grenache und Cinsault. Bei ihm stehen florale Noten deutlich im Vordergrund (Hagebutte, etwas Lindenblüte), dominiert allerdings von einer kräftigen Erdbeere. Betörend die angenehme Frische des Weins, der optisch durch seine starkrote Bonbonfarbe besticht. Folgt man der französischen Bezeichnungsskala, erscheint hier wohl „Grenadine“ angemessen, wir hätten ihn gar im Rubin-Bereich von Rotweinen verortet. Seit ihrer Umstrukturierung im Jahr 1972 ist es den etwa 200 Winzern der Kooperative gelungen, ihren Qualitätsanspruch beständig zu steigern. Auf nunmehr 1.500 Hektar produzieren sie zunehmend aromareiche Rosés und schmackhafte Weißweine (explizit hervorgehoben sei der „Vent Marin“ 2015, €9; 15,5 von 20 Punkten).

Château Laquirou: „Sariette“

Bekannt aus vergangenen Besuchen war uns bereits das Château Laquirou im La Clape-Massiv. Die Weinfelder inmitten der karstigen Hügellandschaft überzeugen durch aufopferungsvolle Pflege, die auch dem Rosé „Sarriette“ (Coteaux du Languedoc) des Schweizer Ehepaars Erika und Eckard Hug Harke zugutekommt. Das AOP-Weingut aus dem 15. Jahrhundert trägt den okzitanischen Namen „Laquirou“ nach den „kleinen Felsen“, die es umrahmen, der Wein wurde nach Kräutern des Mittelmeerraums benannt. Die Assemblage aus Grenache Noir und Syrah (Angabe auf der Flasche; in anderen Quellen fanden wir Cinsault hinzugefügt) entstammen biologischem Anbau und werden manuell gelesen. Der Wein zeigt sich in einem hellen Rosa-Ton zunächst sehr verschlossen und mineralisch. Er gewinnt allerdings bei zunehmender Temperatur, wenn Erdbeere, Pampelmuse und helles Kernobst in den Vordergrund treten, beim Abgang begleitet von leisen Gewürzanklängen. Mit 12,5% ist er einer der leichteren Rosés, wobei anzumerken ist, dass diese zunehmend alkoholstärker ausgebaut werden. (€8; 16,5).

Domaine Serres-Mazard: „Le Rosé des Sorcières“

Greift man zu einem „Le Rosé des Sorcières“ der Domaine Serres-Mazard, ebenfalls aus dem Corbières mit 12,5%, so gewinnt man den Eindruck, man habe eine Champagner-Flasche in der Hand, so schwer und wuchtig ist das Glas mit seinem tiefen Bodeneinsatz. Auch wir folgten dem Motto auf dem Etikett („Laissez-vous ensorceler par cette mélodieuse incantation, sélectionnée par d’espiègles Bécasses des bois.“) und ließen uns von dem dezenten Rosé-Ton verzaubern, wobei wir insbesondere die Kombination von weißer Johannisbeere mit Marzipan genossen – wohl das „Schelmische“ im Sinnspruch. An floralen Noten fanden wir Zitronengras vorherrschend, wobei sich das Aroma – siehe unsere Anmerkung weiter oben – erst bei Erwärmung sehr angenehm entfaltete. Man wird diese Domaine über die nächsten Jahre im Auge behalten müssen, das Potenzial ist gegeben (€11; 16).

Domaine des Comtes Méditerranéens: „Maris“

Von der Domaine des Comtes Méditerranéens in La Livinière verkosteten wir den lachsroten „Maris. Rosé de Nymphe Émue“ (Vin Biodynamique) mit 13,5% und Glasverschluss. Der IGP-Wein bleibt als kompromissloser Rosé in Erinnerung, der viel vom „alten“ Image dieses Weins transportiert: frisch und fruchtig (mit Anklängen an Vanille),  insgesamt (nicht nur im Bereich der Färbung) aber auch farblos – vielleicht bedingt durch die Reinsortigkeit der Grenache Noir-Traube (hier widerspricht sich die Domaine, die in einer weiteren Quelle von der Assemblierung mit Syrah schreibt). Wir erkannten eine schwache Aprikosennote sowie etwas Eukalyptus – zu wenig, um als qualitätsvoller Rosé bestehen zu können (€13, 13,5).

Domaine Haut Gléon: „Vallée du Paradis“

Die Domaine Haut Gléon liegt am Beginn des „Vallée du Paradis“ im Corbières, der dort produzierte Rosé trägt den gleichen verlockenden Namen und ist eine Cuvée aus Grenache, Pinot, Merlot und Cabernet Sauvignon. Auf 35 Hektar wird Wein angebaut, wobei wir an dieser Stelle auch auf den ausgezeichneten 2015er Weißwein des Châteaus verweisen wollen. Der Rosé mit 13,5% hätte mehr als das Prädikat IGP verdient und verführt durch seine violetten Reflexe im rosa Farbton, unterstützt durch einen ausgeprägten Fruchtgeschmack, der auch Bananen einschließt (der Franzose spricht in diesem Fall von „bonbon anglais“ bzw. einem „arôme amylique“). Dieser erste Eindruck setzt sich fort bis zum Finale mit zunehmender Lebhaftigkeit und Mineralität – sicherlich auch bedingt durch die ansteigende Temperatur. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Weingut seinen Weg erfolgreich fortsetzen wird (€8,50; 15,5).

Puech-Haut: „Prestige“

Ein Wein fällt bereits durch seine außergewöhnliche Flaschenform mit platter Vorderseite und matt poliertem Äußerem auf, auch sein Glasverschluss hat sich hier im Süden Frankreichs noch nicht etabliert: Der „Prestige“ des Weinguts „Puech-Haut“ (AOP Languedoc) ist aber auch geschmacklich geeignet, Maßstäbe zu setzen: Gérard Bru unternimmt manches, um dem Innovationsschub der Domäne Ausdruck zu verleihen. Seit einem Jahr wird er nun vom Önologen Marc Escassut aus Montpellier unterstützt: Sie haben sich zum Ziel gesetzt, auch neue Käuferschichten außerhalb Frankreichs zu erschließen, und dies gelingt ihnen nicht nur mit ihrem Rosé, sondern durchaus auch mit dem roten „Saint-Drézéry Prestige“ aus dem Jahr 2014. Der Guide Hachette bescheinigt den Eigentümern, aus dem Terroir eine sichere Wertanlage („une valeur sûre“) geschaffen zu haben – wir können diese Prognose nachvollziehen. Der Rosé ist ein Sommerwein bester Fasson, dem wir – trotz immerhin 13% – das bestätigen wollen, was allgemein von einem gefälligen Rosé erwartet wird: Frische, Mineralität, Fruchtigkeit, dabei zugleich Ausdrucksstärke und Charakter. Die Assemblage aus Grenache (60%) und Cinsault trägt deutliche Anklänge von Johannisbeeren und sogar Nektarinen, wohl vor allem letzterer Traube geschuldet (€12,20; 16).

(Exkurs: Im Languedoc existiert die Tradition, zwischen anderen Reben immer auch Cinsault zu pflanzen: Die Trauben sind so wohlschmeckend, dass sie während der Lese gerne genascht werden – „pour le plaisir des vendangeurs“.)

Domaine du Chêne: „Léthé“

Von einem Rosé, dem man den Namen des Paradiesflusses zuerkannt hat, darf man sich Großes erwarten. Die Domaine du Chêne hat mit ihrem „Léthé“ (IGP Cévennes) einen hohen Anspruch gesetzt, der allerdings nur zum Teil eingelöst werden kann. Der lachsfarbene Wein präsentiert sich in erster Linie leicht und frisch, Zitrusfrüchte, vor allem Orange, dominieren das Bukett. Himbeere und „bonbon anglais“ vermögen es nur schwer, eine charakteristische Note zu setzen. So stellte sich uns die Frage, ob es tatsächlich sinnvoll ist, bei Rosés auf Reinsortigkeit (in diesem Fall 100% Grenache) zu setzen, was hier eindeutig zu wenig Differenzierung und Ausdrucksvermögen bedingt (€7,50; 13). (martin.sachse-weinert)

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Rosé-Weine auf dem Vormarsch – Teil-1: Rosé oder nicht Rosé?

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Rosé-Weine auf dem Vormarsch – Teil-2: Heimat der Rosé-Weine

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Rosé-Weine auf dem Vormarsch – Teil-3: Verkostung von Rosé-Weinen

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Rosé-Weine auf dem Vormarsch – Teil-4: Französische Rosés im internationalen Vergleich

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