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WEINE & WEINKULTUR

Lambrusco - Ein Glas Lebensfreude - Teil I: Die Zeit für Vorurteile ist vorbei!
Wer heute noch abfällig vom Lambrusco spricht, ist schlicht nicht auf dem Laufenden. Denn hervorragenden Lambrusco gibt es! Nur ein bisschen bemühen muss man sich, um ihn zu finden. (Foto: MERUM)

ITALIEN - Es lasse die Finger vom Lambrusco, wer auf seinen Ruf als Weinkenner achten muss oder sonst keinen Spaß versteht. Er müsste sich bei dieser roten Prickelei nur ärgern. Jeder trinkt, was er verdient. Manche glauben, dicke Parkerbrühen zu schlürfen, sei was Löbliches, andere trinken, was ihnen schmeckt. An den Lambrusco hingegen trauen sich aufgrund seines zweifelhaften Rufs auch freizügige Weinliebhaber nur, wenn sie über ein gefestigtes Selbstvertrauen verfügen. Die Zeitschrift Merum setzt sich bereits seit Jahren für den Wein ein, ohne den jeder Sommer zu heiß und vor allem zu trocken wäre.

 

Lambrusco eignet sich wie kein anderer Wein zu hochsommerlich Wurstigem. Die Säure und das Tannin sind die idealen Gegenspieler des verarbeiteten Schweins. Hier in Deutschland wie dort in der Emilia spielen Metzgerdelikatessen eine wichtige Rolle auf dem täglichen Esstisch. Ohne Schinken, allerlei Trockenfleischspezialitäten, Mortadella, Salami oder Lardo (würziges Bauchfett) wärs in der Emilia nur halb so schön. Dank sei den italienischen Freunden, dass sie zu uns aller Freude den Lambrusco erfunden haben!

In Deutschland leidet der Lambrusco unter einem verflixt schlechten Ruf. Jahrzehntelang wurde er in italienischen Pizzerien in Karaffen ausgeschenkt und stand für fast umsonst in Zweiliterpullen im Regal. Diese Erinnerung ist in den Köpfen der Leute hängengeblieben. Außerhalb Italiens wissen nicht viele, dass es verschiedenerlei, sehr unterschiedliche Lambrusco-Weine gibt, je nach Anbaugebiet und Sorten. Rot sind sie immer, sehr hell wie der Sorbara, sehr dunkel wie manche Lambrusco aus Reggio oder Parma, und das Perlen, ja, das gehört natürlich stets dazu.

Es erstaunt, dass dieser Zaubertrank im Norden so völlig unten durch ist, quasi ohne das Recht auf eine zweite Chance. Einzig die Billig-Lambrusco boomen noch. Aber sobald Qualität - und damit verbundene - Mehrkosten ins Spiel kommen, lässt der Handel den Lambrusco links liegen. Aber die Zeit der Vorurteile ist abgelaufen, wer heute noch abfällig vom Lambrusco spricht, ist schlicht nicht auf dem Laufenden. Denn hervorragenden Lambrusco gibt es! Nur ein bisschen bemühen muss man sich, um ihn zu finden.

Klar, selbst der beste Lambrusco schmeckt nicht jedem. Das tut auch Barolo nicht. Aber obschon die Produzenten die Qualität ihrer Toplinien liebevoll pflegen, kommen sie damit im Ausland nur langsam vom Fleck. Achtungserfolge fürs Selbstwertgefühl, viel mehr bringen die besten Lambrusco ihren Machern noch immer nicht ein. Sie sind gezwungen, ihre Abfüllanlagen in erster Linie für die Discounter laufen zu lassen...

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